Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg e.V.

Bauprojekte

In der Vereinigung des gesammelten Fachwissens aller beteiligter Fachplaner in der integrativen Planung, können für jeden Aspekt der Planung der Instandsetzungsmaßnahmen die individuell angepassten Lösungen gesucht und gefunden werden. Durch den Austausch von Fachwissen und die intensive Zusammenarbeit werden somit die am meisten Ressourcen schonenden, effizientesten, ökologischsten und am meisten denkmalgerechten Ergebnisse erarbeitet und umgesetzt.

Auszug aus den Bauprojekten

Quedlinburg, Goldstraße 25

Im Februar 2007 konnte das Gebäude an den Bauherren und Förderer, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, übergeben werden.

Die Jugendlichen welche das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege absolvierten kamen nicht nur aus dem Nationalen Raum sondern auch aus dem Internationalen Bereich z.B. aus Japan, Frankreich oder auch Russland.

Das Praxisprojekt "Goldstraße 25" diente vom Herbst 2001 bis zum Frühjahr 2007 als Einsatzstelle für die Teilnehmer des Freiwilligen Jahres in der Denkmalpflege (FJD). Das FJD wurde von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und den Internationalen Jungendgemeinschaftsdiensten begründet und bietet als Jugendbauhütte die Möglichkeit, Jugendliche verschiedener Altersgruppen und Nationalitäten an den Gedanken des Denkmalschutzes sowie die Notwendigkeit der Pflege bedeutsamer Kulturdenkmäler heranzuführen. Die fachgerechte Ausführung der Arbeiten am Praxisprojekt Goldstraße 25 ist seitens des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg koordiniert und gewährleistet worden. Dies umfasste insbesondere theoretische und praktische Anleitungsmaßnahmen und die logistische Planung für den reibungslosen Ablauf der Instandsetzungsmaßnahmen, die ihre Hauptgewichtung im Bereich der umweltgerechten Fachwerksanierung fand. Insgesamt sieben Appartements waren geplant, die unter Bewahrung der historischen Substanz in den zwei Geschossebenen auch erbaut wurden. Zudem sollten die durch frühere Umbau- und Instandsetzungsmaßnahmen bereits verursachen extremen Verformungen durch die Umnutzung des Gebäudes nicht verstärkt werden.

Sanierung

Die Sanierung in den unterschiedlichen Gewerken wurde fast vollständig von den Teilnehmern des FJD unter Anleitung von fachlich versierten Betreuern des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg umgesetzt. Parallel zu einem verformungsgetreuen Bauaufmaß begann die baugeschichtliche Untersuchung des Gebäudes, deren Ergebnisse bei der Auswahl der Baustoffe und bei der Sanierung der Konstruktion berücksichtigt wurde. Zudem griff die Planung die Grundrisslösung des 19. Jahrhunderts zum Teil wieder auf und integrierte die historischen Fachwerkwände in den neuen Entwurf.
Die ersten Sanierungsarbeiten erfolgten an dem im 19. Jahrhundert vorgesetzten zweischaligen Sandsteinsockel.

Die zweiflügeligen Blendrahmenfenster mit Kämpfer und zweiflügeligem Oberlicht wiesen besonders durch ehemals unsachgemäße Ausbesserungen entstandene Schäden auf. In den Werkstätten des Deutschen Fachwerkzentrums wurden die Verbindungen der Rahmenhölzer verleimt oder mittels "falscher Zapfen" bzw. Keilstücke neu zusammengefügt. Danach konnten die alten Einfachfenster zu Kastenfenstern umgebaut werden.

Die Außenfassade, welche aus denkmalpflegerischen Gründen verputzt werden sollte, erhielt zunächst eine zusätzliche Außendämmung in Form einer 2 cm starken Schilfrohrmatte, auf welche ein mehrlagiger Kalkputz mit Gewebeeinlage aufgetragen wurde.

Auch im Innern nimmt die Sanierung auf den historisch gewachsenen Zustand des Gebäudes Bezug.

Die neu zu stellenden Fachwerktrennwände wurden von den Jugendlichen unter Anleitung eines Zimmerers in traditioneller Bauweise mittels Schlitz-Zapfen-Verbindung 1:1 angerissen und abgebunden. Die Gefache sind zumeist mit Lehm- und Ziegelsteinen ausgemauert worden.

Zu diesem Zweck wurden die Holzbalken mit keilförmigen Hölzern aufgedoppelt und die Felder zwischen den Balken mit einer Schüttung aus Mehabit, einer bitumenummantelten Hanffaser aufgefüllt. Der anschließend aufgenagelte Rauspund bildete den Untergrund für die alten, aufgearbeiteten Dielen. Der Erdgeschossfußboden erhielt eine Dämmung aus Blähton.

Im Bereich der Fachwerkaußenwände erfolgte die Innendämmung in Form einer vorgesetzten Mauerschale aus Leichtlehmsteinen mit zweilagigem Lehmverputz. Der Raum zwischen Fachwerkwand und vorgesetzter Schale wurde mit Strohlehm hinterfüllt, sodass ein monolithischer Aufbau der Hintermauerung entstand. Die zum Gebäude gehörigen, barocken Innentüren konnten in einem Depot wieder gefunden werden. Die Jugendlichen schnitzten nach eigenen Entwürfen für diese Holzfüllungstüren Ornamente für die Eckbereiche in den Türbekleidungen. Die Bekleidungen selbst entstanden nach historischem Vorbild. Die Farbigkeit des Eingangsbereiches des Hauses, der Diele, entspricht den restauratorischen Befunden. Wandmalereien aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, welche im Rahmen der Sanierung mittels Transparentpapier 1:1 aufgenommen worden sind, zieren nun das repräsentative Entreé des Hauses. Ergänzt wird das Erscheinungsbild des Raumes durch die Holztreppen, deren Verlauf und Konstruktion aus dem 19. Jahrhundert wieder hergestellt worden ist. Die gewendelte Treppe wurde von einer Fachfirma hergestellt, die einläufige, kleinere Treppe unter Anleitung eines Zimmermanns in den Werkstätten des Fachwerkzentrums.

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Quedlinburg, Klopstock Gartenhaus

Das Klopstock'sche Gartenhaus, ein zweistöckiger Fachwerkbau aus dem 18. Jh., wurde in der Tradition eines Garten- und Weinberghäuschens gebaut und befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Schlossberg 12, dem Geburtshaus des berühmten romantischen Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock. Ein gleichwohl bekannteres Gartenhäuschen, welches als Ruheoase für die Dichtkunst anzusehen ist, befindet sich in Weimar und gehörte Johann Wolfgang von Goethe.

Das Klopstock'sche Gartenhaus wurde im Oktober 2006 vom Förderverein historische Sammlungen in Quedlinburg an die Stiftung Moritzburg übertragen und ist somit der angrenzenden Feininger-Galerie zugeordnet.

Mit dem Vorhaben, in das Vorderhaus und den Seitenflügel des Schlossbergs 11 Ateliers mit Ausstellungsflächen für junge Künstler zu integrieren, soll auch das Gartenhaus in seiner Nutzung mit einbezogen werden. Die Stiftung Moritzburg als Bauherr beabsichtigt, hier ein kleines Atelier für Stipendiaten einzurichten, welches hauptsächlich in den Sommermonaten genutzt werden soll. Der Garten des Hauses öffnet sich zum Schlossberg 11 und wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Klopstock-Gartenhaus sowie auch später der Schlossberg 11 mit Vorderhaus und an die Feininger Galerie angrenzendem Seitenflügel sollen im Rahmen eines Praxisprojektes mit Jugendlichen, die ihr freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege absolvieren, und den Lehrlingen vom Fachwerkzentrum saniert werden.

Dabei wird die fachliche Leitung, Koordination und Umsetzung des Projekts ebenso wie die Architektenleistung vom Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg e.V. übernommen; die pädagogische Betreuung der Jugendlichen erfolgt von Seiten der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste.

Den Jugendlichen soll im Rahmen eines solchen Projektes der Umgang mit historisch wertvoller Substanz, der Einsatz historischer und ökologischer Baustoffe sowie traditionelle Handwerkstechniken vermittelt werden.

So wurden die neu aufzumauernden Ziergefache in Gipsmörtel versetzt, die Wände und Decken im Erdgeschoss mit einem Lehm- bzw. Kalkputz versehen. Sämtliche Fenster wurden als nach außen öffnende Kreuzstockfenster neu gebaut. An der massiven Mauer zur Schenkgasse mussten zahlreiche Steine ersetzt oder ergänzt sowie das Mauerwerk neu verfugt werden. Ein Teil der Einfriedung ist komplett neu aufgemauert worden. Ein Problem bei der Ausführung der Bauarbeiten stellte die in den 1980er Jahren mit Holzschutzmitteln behandelte Fachwerkkonstruktion dar.

Diese mit Lindan und DDT kontaminierten Bauteile im Obergeschoss des Hauses mussten von einer Fachfirma saniert (maskiert) werden.

Anschließend begann das Verputzen der Räume mit einem Strahlenputz und nach dem Trocknen der Anstrich der Wände und Decken. Im Erdgeschoss wurde zudem der Boden mit den historischen Pflastersteinen neu verlegt sowie die authentische Treppe wieder aufgearbeitet. Der aus dem 19. Jahrhundert stammende mehrstöckige Kastenofen wurde ebenfalls von den Jugendlichen zunächst gesäubert und dann gemeinsam mit einem Ofensetzer wieder aufgebaut.

Bei der nachhaltigen Sanierung wurde das primäre Augenmerk auf die Erhaltung des Baubestandes gelegt. Die Baumaßnahmen, welche von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der BauBeCon als Sanierungsträger der Stadt Quedlinburg gefördert wurden, sind im Sommer 2008 abgeschlossen. Das Gebäude wurde dem Bauherren, Stiftung Moritzburg in Halle, übergeben.

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Wörlitz, "Gelbes Haus"

Das so genannte Gelbe Haus ist eigentlich ein um einen Innenhof angeordneter Gebäudekomplex. Ein Wirtschaftsgebäude mit frühklassizistischer Fassadengestaltung liegt unmittelbar am Wörlitzer Markplatz und wurde in dessen historische Gestaltung einbezogen. Dieser Bau mit der Blendbogenarchitektur basiert auf Entwürfen von Erdmannsdorf.

Das untersuchte Gebäude erstreckt sich im rechten Winkel dazu als rechteckiger gelbfarbiger Bau entlang der Straße und belegt fast vollständig den westlichen Abschnitt der Kirchgasse. Die Bezeichnung "Gelbes Haus" lässt sich bis in das dritte Viertel des 18. Jahrhunderts verfolgen. Davor war dieses Gebäude das Amtshaus.

In seiner Bauabfolge gliedert sich der zweigeschossige Bau in ein Hauptgebäude, nachfolgend auch Kernbau genannt, mit einfachem Satteldach sowie in Anbauten verschiedener Bauzeiten, von denen sich der westliche Kopfanbau vom Anfang des 20. Jahrhunderts aufgrund der eigenen Architektur abhebt.

Die Umfassungswände im Erdgeschoss des Kernbaus stammen fast vollständig aus der ersten Bauphase während das Obergeschoss wie auch das Dach in einer zweiten Bauphase nachträglich aufgesetzt wurden. Augenfällig ist die symmetrische Aufteilung der Fassadenwandfläche dieses Gebäudeteils.

Nach dem dendrochronologischen Protokoll sind das heute bestehende Fachwerk vom Obergeschoss aus Eichenholz und die Deckenbalken aus Kiefer aus der Schlagphase Winter (d)1759/1760. Überwiegend stammen die Wände im Erdgeschoss aus Eichenholz-Fachwerk aus der gleichen Zeit. Der Dachstuhl besteht aus Nadelholz Kiefer, weist einige sekundär verbaute Holzergänzungen auf und ist in seinem mehrheitlichen Bestand zeitlich dem Fachwerkabbund um (d) 1759/1760 zuzurechnen.

Restaurierung der historischen Türen – ein Arbeitsbericht

Die historischen Türen in dem Gartenhaus Dessau-Wörlitz wurden im Zeitraum von Juli 2007 bis Februar 2008 von den Fachkräften des Deutschen Fachwerkzentrums und den Teilnehmern des Freiwilligen Jahres in der Denkmalpflege, der Jugendbauhütte Quedlinburg, in Trägerschaft der Internationalen Jungendgemeinschaftsdienste restauriert. Ziel der Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten bestand zum Einen in der Wiederherstellung der historischen Substanz des Hauses in Teilabschnitten, in diesem Fall beginnend mit den historischen Türen, zum Anderen mit dem Heranführen von jungen Menschen an die Restaurierung historisch wertvoller Ausstattungsdetails.

Zu Beginn des Projektes wurde in Abstimmung mit dem Restaurator der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz die Türen ausgewählt, die ausgebaut und in die Werkstätten des Fachwerkzentrums gebracht werden sollten. Nach Ausbau und Transport begannen die ersten Instandsetzungsarbeiten unter Anleitung des Tischlers Rheinhold Reddig, mit fünf Teilnehmer der Jugendbauhütte Quedlinburg und zwei Lehrlingen des Deutschen Fachwerkzentrums.

Bei den instand gesetzten Türen handelt es sich unter anderem um eine zweiflüglige, eichene Hauseingangstür mit ovalem Oberlicht ohne Rahmen, die direkt am Mauerwerk anschlägt. Das Türblatt zeigte drei überschobene Füllungen (längsrechteckig, Mittelteil quadratisch), die Profilierung der Füllungleisten bildeten außenseitig ein Kehlstab mit Karnies und abgesetztem Falz.

Die Beschläge der Tür bildeten wiederum S-Bänder auf Einschlagkloben, die in die Seitenwände eingeschlagen worden waren. Ein klassizistisches Kastenschloss mit geschwungenem Drückerstab und ovaler Griffplatte befand sich auf der Innenseite. Das andere Türblatt war mit einem einfachen Riegel (gebogene Flacheisen mit eingerollten Enden) ausgestattet, diese mit handgeschmiedeten Nägeln befestigt.

Die Tür besaß ebenfalls mehrere Anstriche, die oberste Schicht bildete ein brauner Ölfarbenanstrich. Das Holz der Füllungen war teilweise verwittert, seitlich und unten waren breite Spalten zum Mauerwerk und Schwelle entstanden. Auch bei dieser Tür wurden zunächst wiederum alle Farbschichten entfernt und die Fehlstellen des Türblattes ausgebessert. Nach dem Abschleifen erfolgte der Anstrich mit einer Lasur, die jedoch nach dem Trocknen unterschiedliche Farbnuancen aufzeigte. Daraufhin wurde die Tür nochmals geschliffen, mit den Zieheisen die dunklere Stellen abgezogen und anschließend mit einem von der Restauratorin angemischten Lasur mit Eichepigmenten gestrichen.

Innentüren

Die historischen Holzfüllungstüren der Innenräume aus Fichte mit eingenuteten oder gefälzten Füllungen sind mit Fitschenbändern oder aufgenagelten Flachbändern an die Türzarge befestigt.

Eine der barocken Innentüren war besonders durch Nassfäule und Holzwürmer stark beschädigt. Das als Balkontür zweitverwendete Türblatt (das Schwellholz der Wand war für das Türfutter abgearbeitet worden) war infolge dessen häufig der Feuchtigkeit ausgesetzt. Die einflüglige gestemmte Rahmenfüllungstür mit Schlitz-Zapfen-Verbindung besaß zwei einseitig überschobene Füllungsfelder und wurde von den Lehrlingen des Fachwerkzentrums eigenständig restauriert. Die Füllungsfelder zeigten noch eine unebene Oberfläche der Handbearbeitung. Die Tür besaß zwei gusseiserne S-Bänder auf Einschlagkloben und zum Schließen ein Kastenschloss, wobei die Klinke aus Eisen aus der Mitte des 20.Jahrhunderts stammte.

Als erster Arbeitsschritt wurden die Beschläge, das Schloss und die Bänder abgenommen, beschriftet und in ihrer Lage kartiert. Nach Abnahme der Farbe mit Hilfe eines Heißluftföns und einem Spachtel mit geringer Stufe, um das Holz nicht anzubrennen, wurde die Tür mit einem 80er Schleifpapier behandelt. Die Profilierung an den Füllungsfeldern mit abgesetztem Viertelstab und wohnraumseitig am Futter mit Karnies und abgesetztem Falz wurde besonders vorsichtig gesäubert. Erst nach Abnahme der Farbe zeigte sich das vollständige Ausmaß der Schädigung, besonders die Schlitz-Zapfenverbindungen des Rahmenholzes waren an verschiedenen Stellen ausgebrochen sowie das Holz unterhalb des Kastenschlosses am Rahmen. Weiterhin waren die Nut der Füllungsfelder durch Nassfäule und Wurmfraß stark verwittert.

Anschließend begann die Zerlegung der Tür, dabei wurden die seitlichen Holznägel und Keile herausgelöst und gekennzeichnet. Der nächste Arbeitsschritt beinhaltete den Rückschnitt der beschädigten Holzbauteile. Erfolgte der Austausch der Rahmenhölzer wurden die Zapfenlöcher passend zu den alten Verbindungen eingezeichnet, gebohrt und gestemmt. Die Füllungen wiesen ebenfalls starke Schäden auf, nach dem Auftrennen und Ausschneiden der geschädigten Bereiche wurden hier neue Holzteile eingesetzt. Das neue Holz wurde unter Berücksichtigung der historischen Maße aufgeleimt und passgenau zugeschnitten. Die neu zusammengesetzte Füllung wurde schließlich zum Trocknen eingespannt. Anschließend wurden die Teile mit dem Hobel angepasst und die Füllungen mit der Tischfräse zur Einarbeitung der Nut bearbeitet.

Kleinere Fehlstellen erhielten eine Ausbesserung mit Kitt. Die Fehlstellen wurden zunächst angefeuchtet und schließlich der Kitt mit Schleifpapier geebnet. Nach der Zusammensetzung der Tür unter Verwendung der originalen Holznägel und dem anschließenden Verkeilen der Zapfenlöcher erfolgte der Feinschliff. Die Türen erhielten zunächst einen Voranstrich, die Beschläge wurden mit einem Rostschutzmittel und einem Lack behandelt.

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Quedlinburg, Schlossberg 11

Die Bauforschung und das Aufmaß am Schlossberg 11 erfolgte im Auftrag der Stiftung Moritzburg in Halle und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Das Objekt Schlossberg 11 besteht aus einem Vorderhaus, welches traufständig zum Platz orientiert ist, und aus einem quer dazu verlaufendem Seitenflügel. Die Tordurchfahrt dient als Hauptzugang zu der auf dem Hof untergebrachten Feininger-Galerie.

Der Gebäudekomplex befindet sich am Fuße des Schlossberges im so genannten Westendorf.

Konstruktives System

Beim Vorderhaus handelt es sich um ein Fachwerkgebäude in Stockwerksbauweise und Ständer-Riegel-Konstruktion mit einem in Teilbereichen massivem Unterstock. Bauzeitlich waren die 21 Gebinde in jedem 5. Gebinde im Oberstock wie im Unterstock durch eine Querwand unterstützt. An den Stellen, wo diese Wände heute nicht mehr vorhanden sind, ließ sich deren Existenz durch Zapfenlöcher von Riegeln und Streben in den Außenwandständern sowie durch Zapfenlöcher und Blattsassen in den Deckenbalken nachweisen. An den Kreuzungspunkten der Querwände mit den beiden in Längsrichtung verlaufenden Unterzügen waren die Ständer mit je vier Kopfbändern an Unterzug und Deckenbalken angeblattet.

Sowohl das Vorderhaus als auch der Seitenflügel sind zweistöckige Gebäude mit Satteldach. Im Osten grenzt das 21 Gebinde umfassende Vorderhaus mit seinem parallelogrammförmigen Grundriss an das Klopstock-Museum (Haus Nr. 12). Den westlichen Abschluss bildet ein freistehender Giebel mit Krüppelwalm im Dachbereich.

Ausgefacht wurde mit Lehmstakung. Erneuerte Gefache sind mit Ziegeln ausgemauert. Von den ursprünglichen Streben sind nur einige auf der Hofseite und im östlichsten Gefach der Südfassade erhalten. Die bauzeitliche Ständerreihung wurde an der zum Platz ausgerichteten Fassade zugunsten breiterer Fenster aufgelöst. Die westliche Hälfte der Platzfassade wird durch das Haus Nr. 10 verstellt, das nur durch einen schmalen Durchgang abgetrennt ist. Dahinter liegen aus massivem Sandsteinmauerwerk errichtete Außenwände des unteren Stockwerks im südwestlichen Bereich. Im östlichen Teil des Unterstocks befindet sich die Tordurchfahrt, deren westliche Trennwand im Verlauf um ein Gefach verspringt. Der Oberstock ragt nur leicht über den Unterstock vor. Sowohl hier als auch unter dem Dach sind die Deckenbalken an der Fassade mit Pyramidenköpfen verziert und mit profilierten Knaggen versehen. Beim Dach handelt es sich um ein Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl.

Nutzungsgeschichte

Das Objekt gehörte ursprünglich zum so genannten Vorburggut, einem der vier "Tafelgüter", die der Verpflegung des Stifts dienten.

Im 1. Drittel des 19. Jahrhunderts wurden große Teile dieses Guts an bis zu 100 einzelne Käufer veräußert. Letztlich blieb nur das links des Klopstockhauses gelegene Gehöft übrig. Bis 1894 war dort ein Schwadron Kürassiere untergebracht. Anschließend wurde die Kaserne, die sich in einem Nebengebäude befand, zu Wohnungen für "kleine Leute" ausgebaut. Auf einem Lageplan aus dem Jahr 1890 sind neben dem als Wohnhaus bezeichneten Hauptgebäude auch der als Stall- und Wirtschaftsgebäude benannte Seitenflügel und daran anschließend die Kaserne dargestellt. Auf einer Postkarte um 1906 verweist eine Werbeschrift über der Tordurchfahrt auf die Samengroßhandlung "Carl Beck & Co., Inh. Carl Beck". Nach dem 1. Weltkrieg gelangte das Grundstück in den Besitz des Saatzuchtunternehmens Heinrich Mette und diente u.a. der Unterbringung einfacher Mitarbeiter der Firma, wie aus mehreren Beschwerden an das Bauamt ersichtlich ist. Nach 1945 wird der Besitz schließlich an das Volksgut "August Bebel" übertragen. Aus den Archivalien ließ sich bislang die bauzeitliche Nutzung des Vorderhauses nicht eindeutig belegen. Anhand der Baubefunde, u.a. dem Fehlen eines repräsentativen bauzeitlichen Treppenhauses im Gebäudeinneren und der ursprünglichen Grundrissgestaltung, scheint eine Wohnnutzung unwahrscheinlich. Vielmehr könnte das Gebäude wirtschaftlichen Zwecken gedient haben, was auch die Bezeichnung "Vorwerk" nahe legt.

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Halberstadt, Hühnerbrücke 4

Das älteste erhaltene Schulgebäude in Halberstadt, das "Johanneum" an der Hühnerbrücke gelegen, wurde als Lehrstätte für Latein, Hebräisch und Griechisch errichtet. Laut Inschrift auf dem Sturzriegel der rundbogigen Eingangstür am Nordgiebel wurde die Schule am 22. November 1697 fertiggestellt. 1698 wurde sie durch Kauf bzw. Neu- und Umbau mehrerer Häuser erweitert. Der Fachwerkbau, heute Hühnerbrücke 4, erstreckt sich mit der östlichen Gebäudelangseite am Grudenberg und rahmt mit der nördlichen Giebelseite die Platzsituation an der Hühnerbrücke gemeinsam mit dem großen und stattlichen Fachwerkbau mit Freitreppe, Grudenberg 10. Die unteren Gefachfelder besitzen in beiden Geschossen Fußstreben und kurze Stiele in der Art der Thüringer Leiter. Die Stockschwelle ist mit einer Schiffskehle, ein typisches Schmuckelement der Renaissance, verziert und die Füllhölzer und Deckenbalken zeigen eine durchlaufende Profilierung mit einem Rundstab. Den Eingangsbereich betonte einst ein hölzernes gerahmtes Wappenrelief: Auf diesem ist auf der linken Seite ein Kopf inmitten von Akanthusranken und Rosen dargestellt, auf der rechten Seite ein Bischof mit Inschrift "Voigtey", dem Verwaltungsbezirk des Stadtteils. Entsprechend der Namensgebung der Schule "das Johanneum" ist hier vermutlich Johannes der Täufer dargestellt, die ihn umgebenden Rosen verweisen auf das von ihm erlittene Martyrium.

Eine energieeffiziente, Ressourcen schonende, ökologische Sanierung bei größtmöglicher Erhaltung der historischen Substanz und Einhaltung der denkmalpflegerischen Belange soll an dem Modellprojekt Hühnerbrücke 4 in Halberstadt umgesetzt werden.

Die besondere Herausforderung des Modellprojektes besteht darin, die erhaltene historische Substanz zu bewahren, zu ertüchtigen, Methoden einer energetischen Sanierung zu definieren, die sowohl in der Gesamtbilanz effizient sind und gleichzeitig den denkmalpflegerischen Anforderungen entsprechen.

Planung im Bestand

Die Hühnerbrücke 4 verfügt auf zwei Etagen über eine Raumstruktur, die sich für eine Wohn- bzw. Büronutzung anbietet. Die Aufteilung der Räumlichkeiten erfolgte unter Berücksichtigung des Bestandes. Die ursprünglichen Erschließungswege vom Erdgeschoss in das 1. Obergeschoss über eine viertelgewendelte Treppe des 19. Jahrhunderts und vom 1. Obergeschoss zum Dachgeschoss über eine Spindeltreppe des 17. Jahrhunderts wurden beibehalten. Erneute Eingriffe in die Substanz durch weitere Öffnungen in den Deckenfeldern konnten dadurch vermieden werden.

Verursacht durch jahrelangen Leerstand wurden an allen drei Gebäudeteilen massive konstruktive und feuchtebedingte Schäden verzeichnet.

Die zukünftige Nutzung des Erd- und 1. Obergeschosses

Der bauzeitliche Grundriss im Erdgeschoss ist anhand der bauzeitlichen Mittellängswand und der mittig im 6. Gebinde von Ost nach West spannenden Querwand, in zwei große Raumeinheiten zum Innenhof und zwei kleineren Raumeinheiten zur Straßenfassade mit davor liegendem Treppenhaus zu rekonstruieren. Die bauzeitlichen Wände umfassen im nördlichen Bereich mit je sechs Gebinden einen annähernd quadratischen Raum, der im 19. Jahrhundert noch als Klassenraum diente (siehe Plan von 1863). Alle nachträglichen Wandeinbauten in diesem Raum erfolgten im Zuge der Umnutzung zu Wohnzwecken. Der Eingang zum Klassenraum befand sich mittig. Der südlich angrenzende Raum, heute in drei Raumeinheiten unterteilt besaß bauzeitlich vier Fensterachsen. Auch dieser Raum war vermutlich ein Klassenzimmer, in dem Latein und Griechisch rezitiert wurde. In dem kleineren Raum zur Straßenfassade konnten an der südlichen Giebelwand noch die bauzeitlichen Gefache, Stakenhölzer mit Strohlehmputz und einem dünnen Kalkputz freigelegt werden. Auf dem Gefachputz ist die bauzeitliche Fassung noch sichtbar: entlang der dunkel gefassten Hölzer umzieht ein dunkelgrauer Begleiter das Gefach. Diese bauzeitliche Raumfassung ist auch an den Deckenbalken und Deckenfeldern des Raumes ablesbar.

Der bauzeitliche Grundriss lässt sich ebenso im Obergeschoss gut ablesen. Im südwestlichen Bereich lag ein großer Raum, die bauzeitliche Giebelwand, die östliche Mittellängswand und die Hofwand, noch mit einem Gebinde erhalten, umfassend. Der Eingang des Raumes besitzt noch Reste der bauzeitlichen Türzarge mit verkröpftem barockem Profil.

Laut dem Plan von 1863 befand sich in diesem Raum eine weitere Schulklasse mit angrenzenden Kammern. Der straßenseitig gelegene Raum am Südgiebel, im 19. Jahrhundert ebenfalls als Kammer genutzt, zeigt entlang der Deckenbalken verlaufende Begleiter, vergleichbar der bauzeitlichen Fassung im Erdgeschoss.

Die Hühnerbrücke 4 verfügt auf zwei Etagen über eine Raumstruktur, die sich für eine Wohn- bzw. Büronutzung anbietet. Die Aufteilung der Räumlichkeiten erfolgt vorzugsweise innerhalb des Bestandes, sodass nur minimal in die bestehende Substanz eingegriffen werden muss.

Die Schwammsanierung

2010 wurde ein Holzschutzgutachten erstellt. Am Nordgiebel konnte Echter Hausschwamm nachgewiesen werden, im Erdgeschoss waren Säulenköpfe, Rähm, Füllhölzer, Stichbalken, Schwelle und Ständerfüße des 1. Obergeschosses befallen. Der Hausbockbefall zeigte sich an den Ständern im Eingangsbereich und Riegel im EG.

Auf der Grudenbergseite konnte im nördlichen Bereich ein weiterer Schwammherd festgestellt werden, der sich ab der 2. Riegellage im Erdgeschoss bis zum Traufbereich, 2-3 Gebinde umfassend, erstreckte. Die klassische Sanierung hätte 1 m Rückschnitt vom letzten sichtbaren Befall bedeutet.

Bei der Untersuchung der mit Echten Hausschwamm befallenen Hölzer stellte der Sachverständige fest, dass der Schwamm überwiegend an der Oberfläche gewachsen war. In vielen Fällen war eine durchgehende Zerstörung nicht vorhanden. Laut DIN 68 800 Teil 4 ist als Sonderverfahren die Hausschwammsanierung und die Abtötung des Gewöhnlichen und Gescheckten Nagekäfers mit Heißluft seit 2012 zugelassen. In der DIN werden verschiedene Temperaturen zur Abtötung angegeben. So wird z. B. bei einer Temperatur von 50°C ein Zeitintervall von 16 Stunden angegeben, die im Kern des Holzes vorliegen muss. Bei 55°C sind es 8 Stunden und bei 60°C sind es 2 Stunden. Mit der Hitzebehandlung wird bei dem Hausschwamm das Geflecht zerstört, das Holz getrocknet und somit dem Hausschwamm die Lebensgrundlagen - Wasser, Wärme, Holz - genommen.

Wichtig ist während der gesamten Umsetzung der thermischen Behandlung eine langsame kontrollierte Erhöhung der Temperatur. Von der umsetzenden Firma wurde eine Mehrstufenbrennertechnik, die eine langsame und kontrollierte Erwärmung des zu behandelnden Objektes vornahm, angewandt. Für die notwendige Abtötung aller Schadinsekten ist es erforderlich, auch die Außenbereiche zu behandeln. Zu diesem Zweck wurde das Fachwerkhaus vollständig eingehaust. Die gesamte Einhausung erfolgt mittels Spezialfolien, (Mehrschichtfolien), aus Polyamiden, Polyethylen und Aluminium, die einen hohen Isolierwert haben.

Daher wurden Hausbocklarven als weitere Prüfinstanz in speziell gefertigten Holzröhren eingesetzt. Die Larven wurden in speziellen Vorrichtungen in das zu beheizende Holz eingebracht.

Die Versuche zeigten, dass eine Abtötung und Verfärbung der Larven eintritt, wenn über 55°C für 3-4 Stunden erreicht wurden. Für die Bekämpfung des Befalls durch den Gewöhnlichen und den Gescheckten Nagekäfer wird laut DIN für die Bekämpfung mit der Heißluft eine Temperatur von 55°C, die 1 Stunde im Kern des Holzes gehalten werden muss, empfohlen. Das Absterben der Hausbocklarven bei Temperaturen um 55°C, bestätigt ebenso die Abtötung der Nagekäferlarven. Für die Temperaturmessung werden Thermoelemente verwendet. Die erreichte Temperatur im Gebäude liegt zwischen 90° und 100°C.

Nordgiebel

Der integrative Planungsprozess beinhaltet die gemeinsame Abstimmung mit dem Holzschutzgutachter, Statiker, Architekten, Zimmermann und der Bauforschung bezüglich des Austausches oder der Ertüchtigung verschiedener Bauteile. Der Rückschnitt bezieht sich nicht auf die durch Echten Hausschwamm und Anobienbefall geschädigte Holzsubstanz, sondern lediglich auf nicht mehr tragfähige Holzbauteile. Dadurch kann der Verlust der historischen Bauteile minimiert werden.

Geringe Aussetzungen erfolgten am Ständer im Bereich des Gefügeknotens zwischen Ständer, Riegel und Schwell. Anschließend wurden kleinere Risse mit Tierhaaren, Öl und Lehm geschlossen.

Ostfassade

Lediglich stark gestörte Hölzer mussten ausgetauscht werden, wenn der nicht geschädigte Restquerschnitt des Holzes zu gering war. Im nördlichen Bereich der Ostfassade erfolgte im Erdgeschoss die Ertüchtigung eines Ständerkopfs, Teilstücke des Rähms sowie die Anblattung des Deckenbalkens. Im weiteren Verlauf zum Obergeschoss wurden Schwelle, Ständerfüße, die beidseitig angrenzenden Brüstungsriegel und die unterhalb angeordneten kleinen Stiele ertüchtigt.

Die nachträgliche Innendämmung der Außenwände

Nach dem Heißluftverfahren war die Auswahl der Dämmung mit folgenden Kriterien behaftet: Die Dämmung musste kapillar aktiv sein, keine erhöhte Durchfeuchtung der Wand beim Einbringen verursachen. Zudem sollte die Dämmung hohlraumfrei zur Außenwand erfolgen und geringe Austrocknungszeiten aufweisen.

Die Auswahl fiel auf die Dämmung mit Wärmedämmlehmplatten bestehend aus Lehm, Kork, Kieselgur Infusorienerde und Holzspänen.

Die Bildungsarbeit in der Hühnerbrücke 4

Die Hühnerbrücke 4 ist das älteste erhaltene Schulgebäude in Halberstadt, das "Johanneum" wurde 1697 als Lehrstätte für Latein, Hebräisch und Griechisch errichtet.

Eine energieeffiziente, Ressourcen schonende, ökologische Sanierung bei größtmöglichem Erhalt der historischen Substanz und Einhaltung der denkmalpflegerischen Belange wurde, auf Kenntnisse des ökologischen Pilotprojektes "Lange Gasse 7, Quedlinburg" zurückgreifend, an dem Modellprojekt in Halberstadt von 2013 bis 2015 umgesetzt. Im Sanierungsprozess führten wir den ursprünglichen Nutzungszweck des Gebäudes – Ausbildung und Bildung junger Menschen fort. An diesem Modellprojekt arbeiteten in den verschiedenen Projektfeldern der Sanierung und Restaurierung der historischen Gebäudesubstanz, wie z.B. die Restaurierung der historischen Fenster, Türen und Treppen, das Ausmauern und Verputzen der Gefache und das Herstellen von Lehmwickeln zur Schließung der Deckenfelder, sechs Tischlerlehrlinge des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg e.V., Teilnehmer der Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter der Leitung der internationalen Jugendgemeinschaftsdienste und Praktikanten unter Anleitung der Fachkräfte. Eine Mischung aus theoretischen Kenntnissen über die Baugeschichte des Hauses bis hin zu bauphysikalischen Prozessen und den handwerklichen Fertigkeiten waren Schwerpunkt der Bildungsarbeit. Des Weiteren führte das Fachwerkzentrum international besetzte Praxisseminare durch, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Hochschule Anhalt – mit internationalen Studenten des World Heritage Studiengangs oder mit der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber des Landes Sachsen-Anhalt in Halberstadt – mit Geflüchteten aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Den jungen Menschen bieten die praktischen Erfahrungen in dem historischen Fachwerkbau eine neue Plattform ihres weiteren Werdegangs.

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Osterwieck, 'Bunter Hof'

In Zusammenarbeit mit der BauBeCon Sanierungsträger GmbH, der Stadt Osterwieck, dem Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr Sachsen-Anhalt sowie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wurde als Modellobjekt der aus dem 16. Jahrhundert stammende Adelshof "Bunter Hof" in der Rössingstraße 5 in Osterwieck ausgewählt. Das letzte aus einer Ansammlung von Bauten unterschiedlicher Entstehungszeit noch erhalten gebliebene, baugeschichtlich wertvolle Gebäude (der Südflügel) wurde von 1579-1582 von Ludolph von Rössing errichtet. Besonderen Schmuck zeigt die Nordfassade. Die unterhalb der Fenster angeordneten Brüstungsplatten mit Arkatur und Kapitellen waren ursprünglich mit einer Malerei verziert, welche Büsten von Königen und Königinnen darstellten. In den Innenräumen sind vielfach Malereien der Renaissance und Grisaille-Malereien aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts erhalten geblieben, wie in dem besonders prachtvoll ausgestatteten Toilettenraum in Höhe des Ostgiebels. Hier rahmen aufgemalte Beschlagwerks- und Rollwerksornamente, Früchte sowie Tiere in schwarz-weißen Tönen bauzeitliche Fenster und Türöffnungen. Historische Ausstattungsteile wie Türen und Fenster des 16. bis 18. Jahrhunderts spiegeln die umfassende Baugeschichte des Gebäudes wider.

Das vorbereitete Nutzungskonzept orientiert sich an den öffentlichen Belangen der Stadt und des benachbarten Fallstein-Gymnasiums, das bereits mehrfach bundesweit mit Preisen ausgezeichnet wurde. Die Schüler des integrativen Gymnasiums, teilweise mit körperlichen Behinderungen, nehmen täglich sehr lange Fahrzeiten in Kauf. Eine Entlastung und Verbesserung der Schulsituation sollen vier behindertengerechte Wohneinheiten im Bunten Hof schaffen, in denen acht Schüler leben werden. Die öffentlichen Belange der Stadt werden mit Nutzung des ehemaligen "Rittersaales" im 2. Obergeschoss als Schulungsraum und Gruppenarbeitsraum und der Unterbringung eines Teils der Leseräume der Stadtbibliothek im 1. Obergeschoss integriert.

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Halberstadt, Grudenberg 8

Das Gebäude Grudenberg 8 ist Teil des städtebaulich bedeutsamen Ensembles Hühnerbrücke 4, Grudenberg 8 und Hühnerbrücke 2/3 und als Einzeldenkmal erfasst.

Der Grudenberg 8 wurde 1697 zusammen mit der Hühnerbrücke 4 in Stockwerksbauweise mit leicht auskragendem, oberem Stockwerk erbaut. Die Straßenfassade zum Grudenberg zeigt eine gleichbleibende Fassadengestaltung. Das Schwellholz ist mit einer leicht eingetieften Schiffskehlen, ein typisches Schmuckelement der Renaissance, verziert. Das Füllholz und die Deckenbalken zeigen eine durchlaufende Profilierung mit einem Gurtprofil. Weitere Schmuckelemente der Fassade bilden geschosshohe, überkreuzte Streben und Rauten in den Gebäudeecken.

Als angrenzendes kleineres Gebäude diente der Grudenberg 8 vermutlich als Wohnhaus des Lehrers. So führte im Unterstock bis zum Umbau im Jahre 1864 ein großer Flur zu einer angrenzenden, straßenseitig gelegenen Stube. Zum Hofbereich orientierten sich die Küche und eine Kammer. Eine Wendeltreppe mit barocken Brettbalustern erschloss das obere Stockwerk in dem weitere Stuben und Kammern untergebracht waren. Heute spricht man bei dem Gebäudeensemble Hühnerbrücke 4 und Grudenberg 8 von dem ältesten erhaltenen Schulbau in Halberstadt und seinem angrenzenden Lehrerhaus.

Mit der Sanierung des Gebäudes entsteht mitten in der Altstadt ein Wohnquartier, welches in seiner Gesamtheit den Anspruch der Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Umweltverträglichkeit im Denkmalbereich als Vorzeigebeispiel erfüllt.

Die Instandsetzung des teils massiv geschädigten Gebäudes ist aktuell in Arbeit. Bis zum Jahreswechsel 2018 wurden bereits alle Fundamente in Naturstein erneuert und die gesamte Fachwerkkonstruktion substanzschonend ertüchtigt unter größtmöglichem Erhalt der bauhistorischen Substanz. Zudem wurden fehlende Gefache mit Lehmsteinen neu ausgemauert, die äußeren Ziegelgefache rückgefestigt und ergänzt und die äußeren Gefache zum Innenhof mit Kalkputz versehen. Die Innenwände wurden und werden mit natürlichem Lehmputz verputzt und die Außenwände werden aktuell von Innen mit Korkdämmlehmplatten bauphysikalisch ertüchtigt.

Dieses Projekt ist aktuell in Arbeit

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Schloss Erxleben, Joachimsbau

Historische Bauten, wie das Schloss Erxleben sind ein Zeugnis unserer Geschichte, unserer Kultur und lebendige Orte der Erinnerung. Die gewaltige Schlossanlage entstand aus einer mittelalterlichen Burganlage an der Heerstraße zwischen Magdeburg und Braunschweig Sie liegt heute im Zentrum der Gemeinde Erxleben. Diese ist wiederum eng mit der Geschichte des Schlosses Erxleben verbunden, das sich von etwa 1270 bis 1945 im Besitz der Familie von Alvensleben befand.

Im Jahre 1553 starb die Rote Linie der Alvensleben, die Erxleben in Besitz hatte, aus und die Burg ging im Erbgang auf die weiße und schwarze Linie der Familie über. Bei der Teilung erhielt die weiße Linie den 1785 abgerissenen Hauptturm im Schloss, das Haus mit der früheren Kapelle, das alte verfallene Gebäude bis an das Brauhaus, die Hälfte aller Scheunen und Ställe und den Platz zwischen beiden Mauern von der alten Quermauer bis an das Tor beim Hausmannsturm.

Die schwarze Linie bekam das neue Wohngebäude, das Brauhaus, das Gebäude über dem Tor zwischen Wohnhaus und Turm, die Hälfte der Scheunen und Ställe und den Platz mit dem Vorwerk vom Tor bis an die alte Quermauer.

Nach der Teilung von 1554 hat vor allem Joachim I. von Alvensleben weitere Bauten errichtet. Hierzu gehörten u.a. der Joachimsbau im Süden der Burganlage (im Lageplan rot gekennzeichnet), der 1563 entstand und der Wirtschaftshof.

Unter Gebhard Johann II. von Alvensleben wurde das Schloss Erxleben II 1679-1682 grundlegend erneuert. Der Württembergische Oberhofmarschall Friedrich August I. v. Alvensleben (1703-1783) ließ 1782-84 das barocke Schloss Erxleben I bauen, das jetzt als Verwaltungsgebäude der Gemeinde genutzt wird. 1840 erhielt die Fassade des Schlosses Erxleben II einen zweistöckigen Balkonerker. 1905 entstand der Bibliotheksbau als Umbau einer alten Scheune mit einem Treppenturm. Hier wurde die von Joachim I. aufgebaute wertvolle Lehnsbibliothek aufgestellt. Das Schloss Erxleben II, in dem nach dem 2. Weltkrieg die Oberschule untergebracht war, steht seit einigen Jahren leer und ist teilweise akut vom Einsturz bedroht.

Der erste Schritt zum Erhalt eines solchen Kulturdenkmals muss eine effektive Sicherung der Gebäude sein, um dem systematischen Verfall Einhalt zu gebieten. Der "Startschuss" beginnt mit dem Joachimsbau, da dieser Bereich bereits großflächige Schäden in der Bausubstanz aufweist. Durch ein Gutachten eines involvierten Sachverständigenbüros wurde ein akuter Schadinsektenbefall des Bunten oder Gescheckten Nagekäfers (Xestobium rufovillosum de Geer) und des Echten Hausschwamms festgestellt. Zudem entstanden durch Schädigungen der Dacheindeckung und fehlender Dachentwässerung im Verlauf der Jahre des Leerstandes starke Feuchteschäden in den Deckenfeldern, so dass die Gefahr des Einsturzes in Teilbereichen gegeben ist. Der Ausbreitung der Schadinsekten in angrenzende Fachwerkwände bzw. in aufliegende Deckenbalken oder in der Mauerkrone eingebettete Mauerlatten kann mit Hilfe einer thermischen Behandlung Substanz schonend entgegengewirkt werden.

Instandsetzungsmaßnahmen umfassen hierbei die Dachneueindeckung und die Ertüchtigung der Entwässerung sowie wenige nötige Instandsetzungsmaßnahmen der Gefügekonstruktion in Abstimmung mit dem Holzschutzgutachter. Mittelständische, möglichst regionaler Betriebe sollen in den Prozess der Sicherungsarbeiten einbezogen werden. Die angesetzten Arbeiten sind zwingend erforderlich um erheblichen Gefährdungen entgegen zu treten.

Dieses Projekt ist aktuell in Arbeit

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Bauschäden

Der herausragende Vorteil des Einsatzes von organischen Baustoffen im Umgang mit historischer Fachwerksubstanz liegt darin, das gleiche baustofflichen System der Gebäudestruktur aufzunehmen. Im bauphysikalischen Zusammenspiel ergänzen sich die Baustoffe Holz, Lehm, Stroh und weitere wie Hanf und Öl verbildlich. Wenn hingegen mit synthetischen Mitteln wie Dämmplatten aus Styrodur gearbeitet wird, kann es zu immensen Bauschäden kommen. Auch Baustoffe wie Beton sind mit absoluter Vorsicht einzusetzen, da Sie die natürlichen Baustoffe nicht atmen lassen. Das Ergebnis sind zumeist Bauschäden durch gestaute Feuchte, wie an feuchtem Holz welches durch angrenzende Bauteile verschlossen wurde, nun nicht mehr trocknen kann und mit seinem feucht-warmen Klima einen hervorragenden Nistplatz für Pilze und Insekten bietet.

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Die Zerstörung historischer Bausubstanz erfolgt leider oftmals durch das "Kaputtsanieren" infolge der Unkenntnis über die Entwicklung historischer Bauweisen, der Auswahl ungeeigneter Materialien und Methoden, der falschen Beurteilung des Zusammenwirkens alter und neuer, industriell hergestellter Baustoffe sowie infolge der Missachtung bauphysikalischer Grundregeln. Hierfür gibt es mehrere Ursachen, beispielsweise:

  • Bauherren, die aufgrund der Bandbreite des Angebotes in den Baumärkten kostensparend in Material und Ausführung in Eigenleistung ihr Objekt modernisieren.
  • Planer, die ursprünglich aus der Neubau- oder Stahlbauplanung kommend, aus wirtschaftlichen Zwängen in das für sie relativ unbekannte Fachgebiet der Altbausanierung wechseln. Schon in der Ausbildung werden je nach Vertiefungsschwerpunkt die Fachbereiche Bauphysik, Bautechnik, Baugeschichte, Baustofflehre, Denkmalpflege in sehr differenziertem Umfang und unterschiedlicher Qualität angeboten.
  • Planer, die sich nur an DIN – Richtlinien halten und die Möglichkeit zur Abweichung von dieser überdiesen. Die Tendenz zu kostengünstigen Gutachten, die von Herstellerfirmen angeboten werden und sich in ihrer Argumentation auf Haftungsmodalitäten und (momentane) Kostenersparnisse reduzieren lassen.
  • Bauherren, Planer und auch Behörden, denen eine (meist zeitlich befristete) gute Optik wichtiger ist als eine langfristig Substanz schonende Sanierung, die vielleicht in mehreren Abschnitten erfolgen muss und daher nicht sofort das erwünschte optische Bild erreicht.
  • Unwissenheit über die Inhaltsstoffe industriell hergestellter Baustoffe – es gibt keine Volldeklaration – und somit Unterschätzung der chemischen und bauphysikalischen Reaktionen beim Zusammenwirken alter und neuer Baustoffe bzw. Konstruktionen.
  • ut agierende Außendienstmitarbeiter der Herstellerfirmen, die alle sehr glaubhaft ihr Produkt als das "Nonplusultra" anpreisen und natürlich Bauherren wie Planer verunsichern zumal sich teilweise auch die Fachliteratur nicht einig ist.
  • Ignoranz oder Unwissenheit über die baugeschichtliche Entwicklung von Bautechniken und Baustoffen, über die Entwicklungsgeschichte des zu bearbeitenden Objektes und Unterschätzung der Nutzungseinflüsse auf das Gesamtgefüge.
  • "Pfusch am Bau" durch die unsachgemäße Ausführung durch Handwerker, die aus angeblichen Kosten- oder Zeitgründen, Unwissenheit, manchmal aber auch einfach aus Bequemlichkeit eine absolut unzureichende Qualität der Arbeiten abliefern. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine möglichst kontinuierliche Bauleitung und Kontrolle der auszuführenden Arbeiten die Qualität erheblich steigert und durch frühzeitig aufgedeckte und behobene Mängel die Substanz geschont und die Baukosten reduziert werden können.

Ökologische Ausstellung

Im Gegensatz zu einer Sanierung mit konventionellen Baustoffen bietet eine umweltverträgliche Sanierung, die an historische Bauweisen anknüpft, eine langlebige, fachgerechte Alternative. Zur Verdeutlichung der Möglichkeiten und Ziele dient die im Aufbau befindliche Ökologische Ausstellung, welche für Unternehmen und Behörden, Architekten und Handwerker sowie für interessierte Bürger und Touristen offen steht. Das Deutsche Fachwerkzentrum Quedlinburg vermittelt bau- und betriebstechnische sowie umweltrelevante Inhalte, basierend auf den o.g. Verknüpfungspunkten zwischen Ökologie und Denkmalpflege, sowie den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, u.a. aus den Ergebnissen vorliegender Forschungsprojekte.

2017 © Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg e.V.
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